Internationaler Online-Kongress der IHK: Künstliche Intelligenz spart Ressourcen in der Produktion.

Bildquelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken
- Das Potenzial von KI für eine nachhaltige Industrie erschließen
- KI für nachhaltige Transformation und Wachstum nutzen
- KI-Innovationen für Fertigung und Ressourceneffizienz einsetzen
Wie organisiert man die Produktion mit Künstlicher Intelligenz nicht nur effizienter, sondern auch mit geringerem Einsatz von Ressourcen? Um diese Frage ging es bei der Internationalen Konferenz „IPEC 2025 – International Production Environmental Community“, die die IHK Nürnberg für Mittelfranken zum zehnten Mal veranstaltet hatte. An dem Online-Kongress nahmen rund 300 Expertinnen und Experten aus 30 Ländern weltweit teil. Unter dem Titel „Shaping the Future: AI-Driven Innovations for Sustainable Industry in Europe“ gab es einen Einblick in KI-basierte Innovationen für eine nachhaltige Industrie.
Die IHK veranstaltet die IPEC-Konferenz seit 2021 komplett online. Sie bietet damit eine Plattform, die den Teilnehmern aus aller Welt die Möglichkeit bietet, gemeinsam Lösungen für die Industrie der Zukunft zu entwickeln sowie in Einzelgesprächen neue Geschäftspartner zu finden. Organisiert wurde das Matchmaking auf der Online-Plattform durch das Enterprise Europe Network Bayern bei der Bayern Innovativ GmbH. Durch das Programm führte Dr. Dina Barbian, Netzwerksprecherin beim VDE Bayern – Netzwerk Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Tjerja Geerts von Holland Innovative aus Noord-Brabant präsentierte eine praxisorientierte Methode, wie sich KI-Technologien gezielt und schnell einsetzen lassen. Anhand eines Chatbots, der Fragen zum AI Act der EU beantwortet, führte er vor, wie Unternehmen innerhalb von zwei Wochen einen individuellen KI-Prototypen entwickeln können.
Arberie Hakaj (Siemens Industrial AI Lab Princeton) und Patrick Hepp (Siemens Digital Industries Germany) stellten innovative Lösungen vor, um Künstliche Intelligenz und das Industrial Metaverse für den Ressourcenschutz einzusetzen. Sie präsentierten den „Industrial Copilot“, eine intelligente Schnittstelle zu Maschinen. Der Einsatz von digitalen Zwillingen für Produktsimulation und Produktion führte beispielsweise im Siemens-Werk Nanjing zu einer um 20 Prozent höheren Produktivität und zu 30 Prozent mehr Flexibilität im Produktionsvolumen
Nachhaltigkeit messbar machen
Eine Herausforderung ist es für viele Unternehmen, die Erfolge ihrer Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit mess- und steuerbar zu machen. Prof. Dr.-Ing. habil. Fazel Ansari (TU Wien und Fraunhofer Austria) erläuterte, wie dies mit KI gelingen kann. Er empfahl, die klassische Kennzahl der Gesamtanlagen-Effektivität (Overall Equipment Effectiveness OEE) weiterzuentwickeln, mit der die Produktivität von Maschinen oder Industrieanlagen gemessen wird. Um die Ziele des „Green Deals“ der EU zu erreichen und gleichzeitig Wettbewerbsvorteile zu sichern, sollte sie um Kennzahlen der Nachhaltigkeit ergänzt werden (Overall Sustainable Equipment Effectiveness OSEE).
Das deutsch-niederländische EU-Förderprojekt „BiCoNet“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Frage, wie KI zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit in der Produktion beitragen kann. Prof. Dr. Diederich Bakker von der Hanze University of Applied Sciences in Groningen erklärte anhand von Beispielen aus der Praxis, wie dies bei kleinen und mittleren Unternehmen bereits erfolgreich umgesetzt wird. Besonders die frühzeitige Erkennung von Fehlern sei ein Feld, bei dem die KI nützlich sein könne, um Ressourcen zu schonen und Kosten zu senken.
Dies bestätigte Matthias Barbian von Accenture Denmark, der die vielfältigen Möglichkeiten der KI herausstellte. Anwendungsfelder solcher Modelle in der Industrie seien beispielsweise die vorausschauende Wartung und Instandhaltung (Predictive Maintenance) für Solar- und Windparks und die Kreislaufwirtschaft (Circular Manufacturing) mit intelligenterem Produktdesign und neuen Recylingansätzen. Sie können dazu beitragen, die Materialkosten zu begrenzen
Längere Lebensdauer von Werkzeugen
Die Künstliche Intelligenz kann auch die Lebensdauer von Werkzeugen in der Produktion verlängern, sodass Material- und Energiekosten sinken: Alexander Stanitzki vom Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg zeigte Beispiele aus der Zerspanungstechnik: Mit sogenannter Embedded AI (also KI in eingebetteten Systemen wie Microcontrollern) kann man den Zustand von Werkzeugen permanent lokal und energiearm überwachen, sodass Abnutzung frühzeitig entdeckt werden und so Ausschuss vermieden wird.
Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie für die Kreislaufwirtschaft
Künstliche Intelligenz sei eine Schlüsseltechnologie für die Kreislaufwirtschaft, sagte Christiaan Kraaijenhagen vom Innoboost in Utrecht. Das niederländische Innovationslabor entwickelt KI-basierte Lösungen, um Produkte innovativ und nachhaltig zu gestalten, Abfälle zu vermeiden und Recyclingprozesse zu optimieren.
Gebäudeschäden rechtzeitig erkennen
Ein weiteres Einsatzgebiet für KI kann die Überwachung von Gebäuden und Infrastruktur sein. Marek Helm, CEO von GScan in Estland, zeigte, wie KI-gestützte natürliche Strahlenmessung schon jetzt genutzt wird, um Gebäudeschäden frühzeitig zu erkennen. Das vermeidet zu späte und damit kostspielige Reparaturen und verlängert die Lebensdauer von Bauwerken.
In den fünf vorgestellten Projektideen wurden auch KI-Lösungen für diese Anwendungsbereiche präsentiert: Akustikanalyse zur Erkennung von Materialfehlern , Prozesskontrolle in der Fertigung, Rückverfolgbarkeit von der produzierten Ware, Entwicklung von digitalen Zwillingen sowie digitale Produktpässe für die Kreislaufwirtschaft („Ecolife Pass“).
Die IPEC 2025 wurde wieder von zahlreichen Partnern unterstützt, darunter VDE Bayern, eco2050 Institut für Nachhaltigkeit GmbH sowie das „Enterprise Europe Network“ bei der Bayern Innovativ GmbH. Weitere Unterstützer waren EIT Manufacturing, Energieregion Nürnberg e. V., NKubator, Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern (REZ) und die bayerischen IHKs.
Mehr Informationen zur diesjährigen Veranstaltung und zum Programm gibt es hier.
IHK, Tel. 0911 1335-1213
christian.seitz@nuernberg.ihk.de
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